„Wir wollen die soziale Großstadt“

„Wir wollen die soziale Großstadt“

Auf Einladung der Universität weilt Jörg Geerlings (33) bis Ende April in Danzig, wo der promovierte Jurist Vorlesungen hält. Die NGZ erreichte den Vorsitzenden der Neusser CDU in Polen. Seit einem Jahr steht er an der Spitze der Christdemokratischen Partei. Im Gespräch mit Redaktionsleiter Ludger Baten zog er (Zwischen-)Bilanz.

Herr Dr. Geerlings, Sie führen die Neusser CDU ziemlich geräuschlos. Ist das Ihr Stil zu führen, oder wird in der Partei nicht lebhaft diskutiert?

Geerlings Leise war die Zeit keineswegs, wenn ich allein daran denke, dass wir in dieser Zeit einen Landtags- und einen Bundestagswahlkampf erfolgreich geführt haben. Richtig ist aber, ich spreche lieber mit als über Menschen. Richtig ist auch, dass wir sehr konzentriert arbeiten. Dabei hilft uns ein Beschluss-Controlling. Der Stadtverbandsvorstand ergeht sich nicht in vollmundigen Ankündigungen, sondern setzt seine klugen Beschlüsse auch um.

Zum Beispiel?

Geerlings Ich bin angetreten, die Mitglieder über Stadtparteitage verstärkt in den Meinungsbildungsprozess einzubinden. Der Sport-Parteitag war ein großer Erfolg . . .

. . . aber mit weniger als fünf Prozent der 1800 Mitglieder schwach besucht.

Geerlings Ich war mit dem Besuch zufrieden, denn wir haben Fachleute erreicht, ebenso wie wichtige Multiplikatoren inner- und außerhalb der Partei. Die Ergebnisse waren gut.

Was geschieht jetzt mit den Beschlüssen des Sport-Parteitages?

Geerlings Wir bringen die Ideen und Anregungen jetzt in die Fraktion ein. Damit lösen wir eine grundsätzliche Debatte aus: Die Partei beschäftigt sich mit den Inhalten, die Fraktion vor allem mit der Ausgestaltung und Umsetzung. Die beiden Kernthemen müssen in die politische Tagesarbeit einfließen: Erstens entlastet jeder Bürger, der Sport betreibt, den Sozialetat. Zweitens ist der Sport ein wichtiges Marketing-Instrument. Die Fraktion hat jedenfalls die Ergebnisse des Stadtparteitages erfreut aufgenommen und baut sie in die aktuelle Sportpolitik mit ein.

Wird es einen zweiten Stadtparteitag der Christdemokraten in diesem Jahr geben?

Geerlings Im Herbst wird die CDU die Frage der Stadtentwicklung aufrufen; die Vorbereitungen dazu laufen bereits. Am Ende des Diskussionsprozesses soll das Projekt „Soziale Großstadt 2030“ stehen. Das geht über den Bereich Stadtplanung hinaus, den wir als Fraktion schon mit einem grundlegenden Antrag in der vergangenen Ratssitzung auf den Weg gebracht haben. Jetzt kommt der Feinschliff.

Will sich die Neusser CDU mit diesem Parteitag in die Diskussion um das Grundsatzprogramm der Bundespartei einschalten?

Geerlings Es geht um das Soziale, das eine tragende Säule der Volkspartei CDU ist. Darum ist dieser Parteitag so wichtig. Ob unser Beitrag zur Grundsatzprogramm-Diskussion von der Kreis-CDU oder von den Stadt- und Gemeindeverbänden geleistet wird, ist noch nicht abgeklärt. Mit unseren Werte-Veranstaltungen zum „C“ haben wir schon einiges vorgelegt. Ich hoffe, dass sich auch unsere Vereinigungen in diese Wertedebatte einschalten. Vor allem die CDA sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Was erwarten Sie vom neuen CDU-Generalsekretär NRW?

Geerlings Ich kenne Hendrik Wüst sehr gut aus der Jungen Union. Er wird sicherlich Schwung in die Organisation und die Partei bringen. Ich bin sehr gespannt.

Sind Sie mit dem Start der CDU/FDP-Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zufrieden?

Geerlings Jürgen Rüttgers und seine Mitstreiter müssen konsequent aufräumen. Das ist eine Herkulesarbeit. Ich wünsche mir, dass besser erklärt wird, warum gespart werden muss. Ich wünsche mir, dass die Landesregierung nicht nur einsame Entscheidungen trifft, sondern zulässt, dass Themen ausdiskutiert werden.

Sind Sie dafür, dass die Amtszeit der Landräte und Bürgermeister auf dann acht Jahre verlängert und damit von der Kommunalwahl abgekoppelt wird?

Geerlings Nein. Für die Wähler und Parteien würde das einen kostenträchtigen zusätzlichen Wahlkampf bedeuten.

2006-04-05T11:31:43+00:00 5. April 2006|